Unsere Weltreise in zwei Zeitschriften / März 2008

Einmal im Leben....

Rolf und Vera Hehnen aus Hannover sammeln Länder wie andere Leute Briefmarken. Vor sechs

Jahren erfüllten sie sich einen Traum und buchten eine Weltreise: In 26 Tagen düsten sie einmal um

den Globus. Drei Kontinente und sechs Länder konnten sie danach auf ihrer Liste abhaken.

Rolf Hehnen erinnert sich.

Der Traum

Eigentlich war die Weltreise ein Bestandteil unseres großen Traums: nämlich sechs Kontinente zu

bereisen und in allen drei Ozeanen zu baden. Wir haben 1998 mit den Fernreisen begonnen - waren

in Südamerika und Afrika. Mit der Weltreise konnten wir dann sozusagen drei Fliegen mit einer

Klappe schlagen: Australien, Asien, Nordamerika. So waren wir nach 26 Tagen tatsächlich am Ziel

unserer Wünsche. In vergangenen Jahr haben wir übrigens noch unsere private Stadt-Land-Fluss-

Liste abgehakt: Wir waren auf Zypern und können jetzt für jeden Buchstaben im Alphabet ein Land

nennen, das wir bereist haben. Bis auf X, Y und Q, natürlich.

Mit unseren zwei Kindern haben wir früher nur Billigreisen unternommen, mehr lag finanziell nicht

drin. Im Flieger nach Bulgarien. Oder mit dem Auto nach Südfrankreich. Neunmal waren wir dort,

immer am selben Ort, die haben uns schon fast eingebürgert da unten. Doch vor ein paar Jahren

hatte meine Frau einen schweren Unfall, sie konnte fast sieben Monate nicht laufen. Da wurde uns

auf einmal klar, wie schnell das Leben vorbei sein kann. Dass wir mit dem Reisen nicht mehr bis nach

der Rente warten wollten. Wir sind dann ganz spontan zum Flughafen gefahren und haben die Last-

Minute-Angebote studiert. Uns schwebte eigentlich ein Trip auf die Kanaren vor, aber dann habe ich

ein Schild gesehen: Acapulco! Das war dann unsere erste Fernreise - und seitdem sind wir infiziert.

Ich muss nur eine Reisesendung im Fernsehen sehen - und könnte sofort wieder los. Manchmal läuft

es wirklich so: Wir sehen ein neues Ziel und einen Monat später sind wir da. Frühbuchen ist nicht

unser Ding.

Die Vorbereitungen

Die Weltreise habe ich zufällig in einem Katalog entdeckt:

In 26 Tagen von London nach Hongkong, Bali, Australien, Neuseeland, Tahiti, Moorea, Los Angeles

und zurück.  Das war wie für uns gemacht.

Wenn wir uns für eine Reise entscheiden, setze ich mich erst mal an den Computer und googele die

Länder ein bisschen. Dann schauen wir nach, was das Auswärtige Amt auf seiner Website darüber

sagt und welche Impfungen wir brauchen. Tetanus, Hepatitis, Kinderlähmung, Diphterie - da sind

wir immer auf dem neuesten Stand. Für die Weltreise brauchten wir nur Medikamente zur

Vorbeugung von Malaria. Bali ist Malaria-Gebiet, leider kann man gegen die Krankheit nicht

geimpft werden. Und schließlich kaufen wir von jedem Land einen Reiseführer, diese kleinen

handlichen von "Marco Polo". Es gibt vielleicht bessere, aber ich möchte nicht überinformiert

werden. Ein paar Seiten Einführung, dann die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, das reicht uns. Und

natürlich die Rubrik: "Bloß nicht!" Da steht, wie man sich als Tourist auf keinen Fall benehmen

sollte. Das lesen wir immer zuerst.

Das Kofferpacken

Das war schon eine kleine Herausforderung vor der Weltreise. Mehr als 20 Kilo pro Person kann

man ja nicht mitnehmen, und wir mussten Sommer- und Winterkleidung einpacken. AufTahiti ist es

das ganze Jahr über 28 Grad, in Neuseeland waren es gerade mal elf. Auf so einer Reise darf man

also keinen großen Wert auf Abwechslung bei der Garderobe legen. Jeans, T-Shirts, Badehose,

Pullover und Schluss. Außerdem haben wir unsere Sachen auf beide Koffer verteilt, falls mal ein

Gepäckstück unterwegs verloren geht. Das ist unseren Mitreisenden passiert, die standen in

Hongkong ohne Koffer da - ein Albtraum gleich zu Beginn der Reise. Glücklicherweise kam das

Gepäck nur ein paar Stunden später.

Auf nach Hongkong

Rund 12 Stunden dauerte der Flug von London nach Hongkong, insgesamt waren wir auf der

gesamten Reise rund 50 Stunden im Flieger. Ziemlich viel für einen, der Flugangst hat. Aber ich

komme ganz gut klar damit, ich habe immer für alle Fälle Beruhigungstabletten dabei. Die nehme

ich nie, es reicht mir, dass ich sie in der Tasche habe. Ich hatte auf der ersten Etappe also viel Zeit

zum Nachdenken und ich überlegte, was uns wohl alles erwarten würde auf dieser Reise. Mal

ehrlich: Drei Kontinente, sieben Ziele, die Transfers, die Reiseleitung vor Ort, die Hotels, die

Besichtigungen - wie sollte das alles rund um die Welt nahtlos klappen? Ich habe mir aber grundlos

Sorgen gemacht. Die ganze Reise war perfekt, alles lief wie am Schnürchen. Wo wir auch hinkamen:

Immer stand dort ein freundlicher Mensch, der uns abholte, immer wartete in einem guten Hotel

ein sauberes Bett und bestes Essen auf uns.

In der Fremde

Unsere Weltreise war komplett durchorganisiert, wir waren also nur selten auf uns allein gestellt. Mit

ein bisschen Englisch kommt man eigentlich immer klar, fiir alle Fälle hatten wir unsere Reiseführer,

in denen die wichtigsten Begriffe in der Landessprache aufgeführt sind. Ansonsten lautet unsere

Philosophie: Immer lächeln! Das funktioniert bestens, wir haben noch nirgendwo auf der Welt

unfreundliche Menschen angetroffen. Selbst wenn alles ganz anders ist als bei uns in Deutschland,

wenn alles langsamer geht, sage ich mir: "Rolli, das ist eine andere Kultur." Und lächele.

Die Höhepunkte

Mein schönstes Erlebnis war der Flug von Bali nach Sydney, unsere dritte Station. Wir sind nachts

geflogen und irgendwann hat mich meine Frau geweckt: Über den Wolken ging die Sonne auf.

Dieses Schauspiel dauerte über eine Stunde, ich hatte noch nie solche Rottöne gesehen. Sydney ist

eine der bezauberndsten Städte der Welt, für uns kommt sie gleich nach Paris, die sollte man

unbedingt gesehen haben. Gut gefallen hat uns auch Matamata in Neuseeland, dort wurde der Film

"Der Herr der Ringe" gedreht. Ich bin kein großer Tolkien-Fan, aber meine Frau war schon sehr

beeindruckt.

Die Tiefpunkte

So richtige Tiefpunkte gab es eigentlich nicht. Okay, auf dem Flughafen in Sydney hat mich die

Reiseleiterin lautstark zur Minna gemacht, weil ich mir eine Zigarette angesteckt habe. Damals war

ich noch Raucher. Sie hat mich aber damit vor einer 200-Dollar-Strafe bewahrt. Der Aufenthalt in

der Südsee war auch nicht so der Hit, die Zeit ist mir doch arg lang geworden. Meine Frau wollte

sich gegen Ende der Weltreise noch ein bisschen erholen, deshalb haben wir neun zusätzliche Tage

auf Moorea gebucht. Ich weiß nicht, warum andere Leute so von der Gegend schwärmen, für mich

sind Tahiti und Moorea nur Badeinseln. Ich muss immer etwas sehen und erleben. Das

absolut schlimmste Erlebnis war dann unser letzter Flug: Von London nach Hannover sind wir über

Amsterdam in ein Gewitter geraten. Ich dachte, jetzt ist es vorbei, sogar das Personal war

kreidebleich.

Der Jetlag

Mit der Zeitverschiebung hatten wir keine Probleme. Klar, waren wir oft müde, aber daran gewöhnt

man sich schnell. Vielleicht lag es auch daran, dass wir nur in eine Richtung geflogen sind, immer

der Zeit entgegen. Und von unseren anderen Fernreisen wussten wir bereits, dass man der Müdigkeit

nicht nachgeben darf. Nicht am helllichten Tag ins Bett gehen, nur weil daheim gerade Nacht ist.

Man muss die Uhr umstellen und sich an die Tageszeiten halten. In Sydney hätte ich nichts lieber

gemacht als sofort ins Hotel zu fahren. Stattdessen hat uns die Reiseleiterin an den grandiosen

Bondi Beach gebracht: Es war nur zehn Grad warm, aber die Sonne schien, der Himmel war blau - da

waren wir im Nu wieder topfit.

Der Stress

Weltreise in 26 Tagen, das hört sich für viele Menschen stressig an. Wir aber machen nur noch

solche Reisen, weil wir möglichst viel sehen wollen. Wir fahren auch nirgendwo ein zweites Mal

hin, dafür ist das Leben zu kurz und die Welt zu groß. Wir haben auf der Weltreise bis auf den

längeren Aufenthalt in der Südsee im Schnitt nur drei Tage an jedem Ort verbracht. Das hört sich

anstrengender an als es ist: Wir machen nämlich nicht jede Besichtigung mit, rennen nicht in jedes

Museum. Stattdessen setzen wir uns in ein Straßencafe, trinken einen Cappucchino und beobachten

das Treiben um uns herum. Zuhause in Hannover schaue ich mir dann im Internet in Ruhe an, was

ich hätte noch sehen können.

Die Gesundheit

Wir gehen nie ohne eine Zusatzkrankenversicherung auf Reisen und mussten unterwegs auch schon

häufiger zum Arzt. Nicht so auf der Weltreise: Da ging es uns rundum gut. Wir sind aber auch

vorsichtig, zum Beispiel mit der Nahrung. Wir essen nur in den Hotels, in denen wir wohnen oder

die die Reiseleiter auswählen, weil dort die Küche auf uns Europäer eingestellt ist. Bestimmt

könnten wir in einheimischen Restaurants oder an Straßenständen viel preiswerter essen, aber das

Risiko gehen wir nicht ein. In Hongkong habe ich zum ersten Mal mit Stäbchen gegessen. Der

Kellner wollte mir Besteck bringen, aber ich habe zu ihm gesagt: "Das Ding ziehe ich jetzt durch!"

Es ging dann auch ganz gut. Wenn meine Frau und ich mal allein unterwegs sind, an den Tagen, die

wir zur freien Verfügung haben, gehen wir zu McDonald' s. Die haben auf der ganzen Welt den

gleichen Standard, da weiß man immer, was man auf dem Teller hat. In Hannover würden wir nie

dahin gehen.

Die Souvenirs

Früher habe ich Musikinstrumente aus dem Ausland gesammelt, hatte eine Balalaika aus Russland,

eine Flöte aus Rumänien, eine Ziegenblase aus Tunesien. Irgendwann haben wir den ganzen Kram

auf dem Flohmarkt verkauft, staubt doch alles bloß zu. Heute bringen wir von unseren Reisen nur

noch Fotos und Filme mit. Auch auf der Weltreise haben wir fast nichts gekauft: Einen Steinstempel

mit meinen Initialen in Hongkong und eine besonders seltene Perle für meine Frau in Tahiti. Die

Filme schneiden und die Fotos zusammenstellen, das ist neben dem Reisen unser schönstes Hobby

geworden. Die Filme schauen wir zu Hause öfter mal an.

Die Kosten

Die ganze Reise war nicht billig, aber man macht soetwas ja nicht jedes Jahr.

Die Bilanz

Das Faszinierendste an dieser Reise war für mich, dass ich in einem Urlaub einmal um unseren

Globus geflogen bin. Wir haben den Äquator und die Datumsgrenze überflogen und so den 27. Mai

2002 zweimal erlebt. Wer kann das schon von sich sagen. Diese Vorstellung beeindruckt mich bis

heute mehr als die einzelnen Länder, die ich kennengelernt habe.

Die Zukunft

In diesem Jahr heiratet unsere Tochter, das werden wir ein bisschen sponsern. Wahrscheinlich klappt

es daher nicht mit einer größeren Reise. Unsere Liste ist noch ziemlich lang, und immer noch

kommen neue Ziele dazu. China und Mongolai stehen ganz oben, schön wäre auch Indien. Mit

einem Luxuszug durch Rajasthan fahren und in ehemaligen Maharadscha-Palästen wohnen, das wäre

was. Wenn wir irgendwann nicht mehr so fit sind, werden wir uns Deutschland angucken. Neulich

waren wir mal in Leipzig und Dresden und sind noch eben schnell nach Prag gefahren. Lag ja fast

auf dem Weg.

 

Bio:

Rolf Hehnen ist 55, seine Frau Vera 52 Jahre alt. Seit die zwei Kinder aus dem Haus

sind, geht das Ehepaar jährlich zwei bis drei Wochen auf eine Fernreise. Auf bislang 79 Flügen

haben sie über 200 000 Kilometer zurückgelegt. Alle ihre Touren und viele Fotos sind auf ihrer

Homepage im Internet zu finden: www.vera-rolf-hehnen.de

Die Route der Weltreise

Hannover, London, Hongkong, Bali, Australien, Neuseeland, Tahiti, Moorea, Los Angeles, London, Hannover.

Das Interview

Die Redaktion wurde auf unsere Website aufmerksam. Eine Anfrage bei uns brachte folgendes Ergebnis.

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